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Museen auf Rezept: Vier Modelle zwischen Kultur, Gesundheit und Sozialem

  • Sara Stocker Steinke
  • vor 8 Stunden
  • 8 Min. Lesezeit

«Museen auf Rezept» ist kein einheitliches Konzept. Internationale Beispiele zeigen unterschiedliche Wege, wie Menschen mit psychosozialen Belastungen Zugang zu Museen und kultureller Teilhabe finden können. Vier Modelle helfen dabei, Rollen, Chancen und Grenzen genauer zu betrachten.


Einstiegsbild in den Workshop "Museen auf Rezept" © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM
Einstiegsbild in den Workshop "Museen auf Rezept" © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM

Am 20. August 2026 führte INKLUSEUM am Jahreskongress der Schweizer Museen in Vaduz den Workshop «Museen auf Rezept» durch. Rund 45 Museumsfachleute untersuchten, welche Rolle Museen an den Schnittstellen zu Gesundheit und Sozialem übernehmen können.



Sechs Kreise zeigen den Ablauf eines Arztbesuches von der Anamnese bis zur Anwendung und der Überprüfung der Wirkung
Aufbau des Workshops in Anlehnung an einen Arztbesuch © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM


Der Workshop folgte – passend zum Thema – dem Ablauf eines Arztbesuchs: von der Anamnese über Untersuchung und Diagnose bis zur Behandlung, Anwendung und Frage nach möglichen Wirkungen und Nebenwirkungen. Im Zentrum stand jedoch nicht die Suche nach einem fertigen Rezept. Vielmehr ging es darum, unterschiedliche Modelle kennenzulernen, Voraussetzungen zu prüfen und neue Denkräume zu öffnen.

Dieser Blogbeitrag greift die wichtigsten Inhalte des Workshops auf. Den Schwerpunkt bilden vier Modelle, die als Orientierung für die Entwicklung von «Museen auf Rezept» dienen können.


Anamnese: Weshalb Museen?

Psychische Krisen, Erschöpfung, Einsamkeit und soziale Isolation gehören längst zum gesellschaftlichen Alltag. Medizinische oder therapeutische Unterstützung ist wichtig – doch Menschen brauchen häufig noch etwas anderes: Begegnungen, offene Ohren, Inspiration und Räume, in denen sie sich wahrgenommen und zugehörig fühlen.

Museen können solche Räume bieten. Sie ermöglichen ästhetische Erfahrungen, regen zu neuen Perspektiven an und schaffen Gelegenheiten für Austausch und soziale Teilhabe.

Dass Kunst und Kultur einen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten können, ist inzwischen wissenschaftlich breit untersucht. Der 2019 veröffentlichte Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO «What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being?» wertete mehr als 3’000 Studien aus. Er zeigt, dass kulturelle und künstlerische Aktivitäten bei der Gesundheitsförderung und Prävention sowie beim Umgang mit und bei der Behandlung von Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen können.


Auch auf europäischer Ebene gewinnt der Ansatz an Bedeutung. Das EU-geförderte Erasmus+-Projekt «Culture on Prescription» untersuchte, wie ältere Menschen, die von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen sind, über Gesundheitsfachpersonen mit lokalen Kunst- und Kulturangeboten verbunden werden können. Pilotangebote wurden unter anderem in Irland, Portugal, Rumänien, Deutschland und den Niederlanden umgesetzt. Das Projekt macht zugleich deutlich: «Cultural Prescribing» ist mehr als der Zugang zu einer Kulturinstitution. Entscheidend sind soziale Beziehungen, professionelle Begleitung und die Einbettung in lokale Strukturen.


Was bedeutet Social Prescribing?

«Museen auf Rezept» gehört zum grösseren Ansatz des Social Prescribing. Dieser wurde vor allem in Grossbritannien und Kanada entwickelt. Menschen mit sozialen, psychischen oder alltagsbezogenen Belastungen werden dabei über Fachpersonen aus dem Gesundheits- oder Sozialwesen mit nicht-medizinischen Angeboten in ihrem Lebensumfeld verbunden.


Dazu gehören beispielsweise:

  • Kultur- und Kreativangebote

  • Bewegung und Aktivitäten in der Natur

  • soziale Treffpunkte und Gruppenangebote

  • Freiwilligenarbeit

  • Beratungs- und Unterstützungsangebote


Ziel ist es, Wohlbefinden, Teilhabe und Lebensqualität zu fördern und präventiv zu wirken. Vorhandene soziale und kulturelle Ressourcen sollen für Menschen zugänglich werden, die den Weg zu diesen Angeboten nicht ohne Weiteres finden.

Museen auf Rezept überträgt diesen Ansatz auf den Museumsbereich. Das kann bedeuten, dass eine Ärztin einen Museumsbesuch empfiehlt, eine Sozialarbeiterin jemanden in ein begleitetes Angebot vermittelt oder mehrere Museen gemeinsam mit Gesundheits- und Sozialorganisationen eine regionale Struktur aufbauen.


Museen auf Rezept ist deshalb kein einheitliches Modell, sondern ein vielfältiges Gestaltungsfeld zwischen Kultur, Gesundheit und Sozialem, in dem Museen ihre gesellschaftliche Rolle bewusst wahrnehmen können.


Untersuchung und Diagnose: Was braucht es wirklich?

Im Workshop arbeiteten die Teilnehmenden mit fiktiven Personas. Sie untersuchten konkrete Lebenslagen und fragten:

  • Was benötigt diese Person, damit es ihr besser geht?

  • Was könnte das Museum dazu beitragen?

  • Welche Rolle übernehmen Akteur*innen aus Gesundheit und Sozialem?

  • Was könnte den Zugang fördern oder erschweren?

  • Braucht es eine persönliche Begleitung oder soziale Anschlussmöglichkeiten?


Dabei war ein Punkt besonders wichtig: Die Diagnose richtet sich nicht auf vermeintliche Defizite der Person. Sie benennt vielmehr Lücken im Angebot und in der Zusammenarbeit.

Nicht die Nutzer*innen werden diagnostiziert. Untersucht wird das Modell: Was müssen das Angebot und das Zusammenspiel der beteiligten Systeme leisten?


Behandlung: Vier Modelle für Museen auf Rezept

Die internationale Praxis zeigt sehr unterschiedliche Umsetzungsformen. Je nachdem, wer die Initiative ergreift, wo ein Projekt angesiedelt ist und wie Zugang und Begleitung organisiert werden, übernehmen Museen verschiedene Rollen.


INKLUSEUM hat bei der Recherche vier Modelle identifiziert, die im Workshop als Denkrahmen dienen.



Übersicht über die vier Modelle Museen auf Rezept. Darstellung mit unterschiedlichen Kreisen Museen / Gesundheit / Soziales
Übersicht über die vier Modelle "Museen auf Rezept" - G: Gesundheit | S: Soziales | M: Museum mit unterschiedlicher Gewichtung © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM


1. Das Rezept-Modell: Eine Verschreibung öffnet die Tür

Beim Rezept-Modell erhalten Menschen über eine Arztpraxis, Therapie- oder Beratungsstelle Zugang zum Museum. Das «Rezept» ermöglicht in der Regel einen kostenlosen oder vergünstigten Eintritt. Der Besuch erfolgt häufig selbstständig, allein oder mit einer Begleitperson.

Rezept-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM
Rezept-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM

Zu den Beispielen gehören:

  • Das Montreal Museum of Fine Arts führte 2018 gemeinsam mit den Médecins francophones du Canada ein entsprechendes Pilotprojekt ein.

  • In Neuenburg können Ärzt*innen kostenlose Besuche in Museen und im Botanischen Garten verschreiben.

  • Das vorarlberg museum setzt das Modell gemeinsam mit der Vorarlberger Ärztekammer um.

  • Auch die Stadt Brüssel ermöglicht auf ärztliche Verschreibung kostenlose Besuche in beteiligten Museen.



Das Modell ist einfach verständlich und macht die gesundheitsfördernde Bedeutung kultureller Teilhabe sichtbar. Es kann einen konkreten Anstoss geben und finanzielle Schwellen senken.


Doch ein kostenloser Eintritt allein genügt nicht immer. Wer sich unsicher fühlt, unter Ängsten leidet, wenig Museumserfahrung hat oder sozial isoliert ist, überwindet mit einem Ticket noch nicht automatisch alle Hürden. Fragen zur Orientierung, zum Empfang, zur Verständlichkeit des Angebots oder zur Begleitung bleiben bestehen.


Das Rezept-Modell eignet sich besonders für Menschen, die einen Museumsbesuch grundsätzlich selbstständig unternehmen können. Es gewinnt an Wirkung, wenn das Museum auf die neuen Besucher*innen vorbereitet ist und passende Anschlussmöglichkeiten anbietet.



2. Das Programm-Modell: Begleitung schafft Vertrauen

Beim Programm-Modell entwickelt das Museum ein gezieltes Angebot für Menschen mit bestimmten Bedürfnissen oder in vergleichbaren Lebenslagen. Häufig handelt es sich um eine begleitete Veranstaltungsreihe mit einer konstanten Gruppe.



Programm-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM
Programm-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM

Beispiele dafür sind:

  • Das Forschungsprojekt «Museums on Prescription» des University College London verband ältere Menschen, die von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen waren, mit zehnwöchigen, kreativ und partizipativ gestalteten Museumsprogrammen.

  • Das Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne entwickelt gemeinsam mit dem Universitätsspital CHUV und weiteren Partnern begleitete Museumsangebote im Kontext von Gesundheit und Wohlbefinden. Die Kolleg*innen in der Romandie verwenden dafür auch den Begriff der «Muséothérapie»


Im Zentrum steht nicht der einmalige Eintritt, sondern eine Erfahrung über einen längeren Zeitraum. Wiederkehrende Treffen können Vertrauen, Beziehungen und Zugehörigkeit entstehen lassen. Die Teilnehmenden lernen nicht nur das Museum, sondern auch andere Menschen kennen. Gespräche über Kunst, kreatives Arbeiten oder Slow Looking können die eigene Wahrnehmung und Selbstwirksamkeit stärken.


Dieses Modell erfordert entsprechende Ressourcen. Die Vermittlung muss auf die Gruppe abgestimmt sein, die Zusammenarbeit mit zuweisenden Stellen braucht Absprachen und die Begleitung sollte professionell erfolgen.


Gleichzeitig muss die Rolle des Museums klar bleiben: Ein Museum ist keine Therapieeinrichtung. Seine besondere Qualität liegt in der Begegnung mit Kunst, Kultur und Geschichte, in ästhetischen Erfahrungen und im Austausch mit anderen Menschen.

Auch eine unbeabsichtigte Stigmatisierung gilt es zu vermeiden. Angebote sollten Teilnehmende nicht auf eine Diagnose oder Belastung reduzieren. Idealerweise werden sie gemeinsam mit Menschen entwickelt, die eigene Erfahrungen mitbringen und mit Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich durchgeführt.



3. Das Netzwerk-Modell: Zusammenarbeit wird zum System

Im Netzwerk-Modell arbeiten mehrere Museen sowie Organisationen aus Gesundheit und Sozialem systematisch zusammen. Sie entwickeln gemeinsame Abläufe, vermitteln Teilnehmende, teilen Wissen und stimmen ihre Angebote aufeinander ab.


Netzwerk-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM
Netzwerk-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM

Ansätze in diese Richtung sind beispielsweise:

  • Das Programm der Stadt Brüssel entwickelte sich von einer Zusammenarbeit zwischen einer Klinik und wenigen Museen zu einem breiteren Verbund von Gesundheitsstellen und Kulturinstitutionen.

  • In der Stadt Genf wurde in den vergangenen Jahren das Netzwerk Art + santé: muséothérapie  aufgebaut. Mehrere Museen (u.a. das Musée Ariana ) verbinden ärztliche Verschreibungen mit spezifischen Vermittlungsangeboten und einem fachlichen Austausch zwischen Museum und Gesundheitsbereich.

  • Die Zürcher Initiative Arts+Health bringt Universitäten, Spitäler, psychiatrische Einrichtungen und bedeutende Kulturinstitutionen zusammen. Ihr Ziel ist es, den Austausch zwischen Medizin, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Architektur langfristig zu stärken.


Die Netzwerke verbinden unterschiedliche Kompetenzen: Gesundheitsfachpersonen kennen Krankheitsbilder und Belastungssituationen. Soziale Fachstellen verfügen über Erfahrung mit Beratung, Begleitung und unterschiedlichen Lebenswelten. Museen bringen kulturelle Inhalte, Räume und Vermittlungskompetenz ein.


Diese Zusammenarbeit kann einzelne Institutionen entlasten und vielfältigere Zugänge ermöglichen. Sie ist aber anspruchsvoll, denn Kultur, Gesundheit und Soziales folgen unterschiedlichen Logiken. Begriffe, Zeiträume, Qualitätsvorstellungen und Erwartungen stimmen nicht automatisch überein.


Damit ein Netzwerk funktioniert, braucht es klare Rollen, verbindliche Absprachen und eine koordinierende Stelle. International übernehmen sogenannte «Link Worker» eine solche Vermittlungsfunktion. Sie kennen sowohl die Bedürfnisse der teilnehmenden Personen als auch die Angebote vor Ort und helfen dabei, eine passende Verbindung herzustellen.


Ohne diese Übersetzungs- und Koordinationsarbeit besteht die Gefahr, dass Angebote zwar vorhanden sind, aber kaum genutzt werden – oder dass die beteiligten Fachpersonen durch zusätzliche Aufgaben überlastet werden.



4. Das Sozialraum-Modell: Das Museum als Teil einer regionalen Sorgekultur

Das Sozialraum-Modell geht noch einen Schritt weiter. Museen sind hier Teil eines regionalen Systems, das Gesundheit, Prävention, soziale Teilhabe und Lebensqualität gemeinsam fördert. Kulturangebote stehen neben Bewegung, Naturerfahrungen, Begegnungsorten, Beratung oder freiwilligem Engagement.


Sozialraum-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM
Sozialraum-Modell © Sara Stocker Steinke | INKLUSEUM

  • Ein Beispiel ist «Arts on Prescription» im Ostseeraum. Das von der EU über Interreg geförderte Projekt unterstützt öffentliche Stellen sowie Kultur- und Gesundheitsorganisationen dabei, regionale Programme zu entwickeln und zu erproben. In mehreren Ländern wurden Menschen mit psychischen Belastungen in begleitete, nicht-therapeutische Kulturangebote vermittelt.


  • Das Programm «Culture on Prescription» auf der dänischen Insel Fünen verband mehrere Gemeinden und unterschiedliche Kulturangebote in einer regionalen Struktur. Kultur wurde damit nicht als einzelne Massnahme, sondern als Ressource im Lebensumfeld verstanden. Ausgangspunkt ist nicht die Frage, welches Museumsangebot zu einer Diagnose passt. Entscheidend ist vielmehr: Was braucht dieser Mensch, damit es ihm besser geht und er stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann?


Das Museum wird zu einer möglichen Ressource neben vielen anderen. Diese Einbettung kann besonders personenzentrierte und langfristige Lösungen ermöglichen. Sie stärkt zugleich die Rolle von Museen als soziale Orte und als Bestandteile einer lokalen Care-Infrastruktur.


Ein solches Modell lässt sich allerdings nicht durch ein einzelnes Museum aufbauen. Es braucht politische Unterstützung, eine verlässliche Finanzierung, regionale Koordination und langfristige Partnerschaften. Dafür besitzt es das Potenzial, nicht nur einzelne Angebote, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Kultur, Gesundheit und Sozialem nachhaltig zu verändern.


Nicht zuletzt bietet sich das Sozialraum-Modell auch für kleinere Museen an, die dank guter Vernetzung innerhalb der Gemeinde oder einer Region, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit einfacher aufbauen können oder sich in bestehende Strukturen im Gesundheit- und Sozialbereich einbringen können.


Anwendung und Dosierung: Welches Modell passt?

Die vier Modelle sind weder starre Kategorien noch aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen. Sie können kombiniert werden und sich im Laufe der Zeit verändern. Ein Projekt beginnt vielleicht mit kostenlosen Eintritten, ergänzt diese später durch begleitete Programme und entwickelt daraus ein lokales Netzwerk.

Welches Modell geeignet ist, hängt von den angesprochenen Menschen, den vorhandenen Strukturen und den verfügbaren Ressourcen ab.


Hilfreiche Fragen sind:

  • Welche Menschen möchten wir erreichen?

  • Welche Voraussetzungen und Bedürfnisse bringen sie mit?

  • Wie erfahren sie vom Angebot?

  • Wer vermittelt und begleitet sie?

  • Welche Rolle übernimmt das Museum?

  • Was tragen Gesundheit und Soziales bei?

  • Welche Wirkung soll entstehen?

  • Wie langfristig und verbindlich kann das Angebot gestaltet werden?



Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei jeder «Behandlung» lohnt sich auch hier der Blick auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen.


Museen könnten therapeutisch überfordert oder für gesundheitspolitische Ziele instrumentalisiert werden. Teilnehmende könnten durch speziell gekennzeichnete Angebote stigmatisiert oder auf ihre Belastungen reduziert werden. Ein vermeintlich einfacher Zugang könnte neue Barrieren erzeugen, wenn Informationen fehlen, Abläufe kompliziert sind oder eine notwendige Begleitung nicht mitgedacht wird.

Auch die Gesundheits- und Sozialakteur*innen dürfen durch Vermittlung, Administration oder zusätzliche Absprachen nicht unnötig belastet werden. Eine gute Idee allein reicht nicht. Es braucht klare Zuständigkeiten, angemessene Ressourcen und eine Zusammenarbeit, die für alle Beteiligten einen erkennbaren Nutzen schafft. So haben die Projektleitenden  von «Arts on Prescription» in Fünen ihre Stakeholder zum Ausprobieren der Angebote eingeladen, um ihnen die positiven Effekte zu demonstrieren. Mittlerweile laufen in Dänemark politische Vorstösse auf nationaler Ebene, um die Bestrebungen rund um die Verschreibung von kulturellen Angeboten auch strukturell zu verankern.



Wirkung: Was ein gutes Angebot auszeichnet

Unabhängig vom gewählten Modell sollte ein Angebot für Museen auf Rezept:


  • Teilhabe, Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit fördern

  • die spezifischen Qualitäten des Museums nutzen

  • Museen nicht therapeutisch überfordern

  • Gesundheits- und Sozialakteur*innen entlasten, statt sie zusätzlich zu belasten

  • klare Rollen und Zuständigkeiten definieren

  • Zugänge einfach und verständlich gestalten

  • persönliche Begleitung oder soziale Anschlussmöglichkeiten mitdenken

  • langfristig und finanziell tragfähig angelegt sein


Museen können einen wichtigen Beitrag zu einer fürsorglicheren Gesellschaft leisten. Sie müssen diese Aufgabe aber nicht allein übernehmen. Ihre grösste Wirkung entfalten sie dort, wo Kultur, Gesundheit und Soziales ihre unterschiedlichen Perspektiven verbinden.

Entscheidend ist zudem, Menschen mit eigenen Erfahrungen von Anfang an an der Entwicklung zu beteiligen. Sie sind nicht nur Zielgruppe, sondern Co-Expert*innen für passende und wirksame Angebote.


Oder, um es mit einer zentralen Forderung der Behindertenrechtsbewegung auszudrücken: Nichts über uns ohne uns. Gerne begleiten wir Sie beim Aufbau solcher Projekte und verbinden Sie mit geeigneten Partnerorganisationen in Ihrer Umgebung.

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